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Second Screen (Teil 2): Von der „Glotze“ zum Social TV

Second Screen: Von der Glotze zum Social TV

Im ersten Teil dises Posts zum Thema “Second Screen” ging es darum, dass das Fernsehen lange Zeit Leitmedium für uns war. Nun geht es um die aktuelle Entwicklung und aktuelle Experimente mit Social TV.

TV war wie gesagt lange Leitmedium und gleichzeitig ein Medium, dem eine hohe Aufmerksamkeit zuteil wurde. (Anders als beim Radio, das inzwischen zum Tagesbegleitmedium geworden ist, das wir unterwegs oder nebenbei konsumieren, setzen wir uns beispielsweise abends aufs Sofa, “nur” um Fernzusehen. Oder wann hast du zuletzt das Radio eingeschaltet, um dir eine bestimmte Sendung anzuhören, und hast nichts nebenbei gemacht? Eben.)

„Social TV ist alternativlos“ – das Internet verschwindet ja nicht einfach wieder

 

Das ändert sich gerade, was spannend zu beobachten ist. Das Fernsehen teilt sich nämlich die Leitmedien-Funktion mit dem Internet. Das spannende daran: TV und Netz sind von ihren Möglichkeiten her vollkommen unterschiedlich. Das Fernsehen ist ein klassisches Massenmedium; das bedeutet, wenige Menschen gestalten das Programm, das viele Menschen konsumieren. Feedback, Interaktion oder Diskussion sind hier nicht vorgesehen, weil technisch nicht möglich. Und hier kommt das Internet ins Spiel, dass das Medium Fernsehen um diese interaktive Komponente “verlängern” kann. Das Internet bietet nämlich Plattformen, die eben genau für Interaktion gemacht sind. Wo viele Menschen mitreden, und damit gleichzeitig viele andere Menschen erreichen können. Zum Beispiel Twitter oder Facebook.

Und das wird natürlich fleißig genutzt. Was zu beobachten ist, ist dass das TV-Programm dabei oftmals die Funktion des Agenda-Setting hat. Sprich: Die Fernsehsendung gibt das Thema vor, über das im Netz diskutiert wird. Das ist zum Beispiel bei politischen Sendungen à la ‘Hart aber fair’ oder Talk-Sendungen häufig der Fall.

Oder die Fernsehsendung IST sogar das Thema, das diskutiert wird. Das ist zum Beispiel Sonntags beim Tatort der Fall.

Unter dem Hashtag #tatort wird jeden Sonntag abend auf Twitter über den neuesten deutschen Sonntagabend-Krimi diskutiert. Dabei sind die Deutschen, davon einmal abgesehen, aber vergleichsweise “Social-Media-faul”: Laut einer Nielsen-Studie * nutzen 26% der Deutschen das Internet parallel zum Fernsehen – 59% wollen (oder können) das nicht. In Gesamt-Europa liegt die Zahl der Second-Screen-Nutzer wesentlich höher.

Einige interessante Social TV-Konzepte entstehen aus diesen neuen Möglichkeiten – aber welche sich durchsetzen werden, bleibt abzuwarten!

Experimente mit Social TV – aber kein Business Modell?

 

Der “Social TV-Sender” Joiz zum Beispiel startete 2013 als Free-TV-Sender mit einem Programm, das auf Interaktion mit Zuschauern und Integration der sozialen Netzwerke aufgebaut war. Auch hier scheint sich die Medienpassivität der Deutschen zu zeigen, denn obwohl joiz sich in der jungen Zielgruppe eine Fangemeinde Online aufbauen konnte, war der Sender wegen geriner Einschaltquoten nicht dauerhaft finanzierbar und ging in die Insolvenz. Inzwischen ist die Finanzierung (erstmal) wieder gerettet, und der Sender erhält auch wieder Sendeplätze in den “herkömmlichen” Verbreitungswegen abseits von WebTV. **

Andere Konzepte und Social TV-Formate, die die versuchen, die Interaktion über soziale Medien gezielt im TV-Programm anzulegen und einzuplanen, haben dagegen nur mäßig funktioniert. Der Film “App” ***, eine niederländische Produktion, die 2014 vom ZDF ausgestrahlt wurde, ist ein Beispiel. Der Film wurde durch eine Mobile App ergänzt, über die parallel zum Film Zusatzinformationen abgerufen werden konnten – zum Beispiel Hintergrund-Texte oder andere Kameraeinstellungen. Im Nachhinein verständlich, dass das Konzept nicht weiterverfolgt wurde: Eine echte Interaktion kam durch die zusätzliche App kaum zustande.

Welche Nutzungsmöglichkeiten des Second Screen sich noch ergeben, was sich durchsetzt, oder ob der Trend sogar zum Third oder Fourth Screen geht – wir werden es sehen!

 


Quellen:

*Studie “Screen Wars”, veröffentlicht 1. April 2015: http://www.nielsen.com/de/de/press-room/2015/Krieg_der_Bildschirme.html

** http://www.digitalfernsehen.de/Joiz-bekommt-weitere-Programmschiene.132983.0.html

*** Artikel über den Film “App” bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/App_%28Film%29

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