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Second Screen (Teil 1) – Leitmedium TV oder Internet?

Second Screen: Leitmedium TV oder Internet?

Fernseher werden größer, Smartphones werden kleiner, Tablets sind genau dazwischen und das Kinoerlebnis kann man sich inzwischen auch nach Hause holen. Mit so vielen Bildschirmen wird bereits hantiert – der Begriff Second Screen scheint da eigentlich fast rückständig. Man zähle einmal alle „Screens“, die man selbst als typischer, durchschnittlicher Haushalt besitzt: Bei wem es tatsächlich nur zwei sind, dem sei zu seiner Standhaftigkeit gratuliert.

Es ist inzwischen angekommen, dass medialer Content auf verschiedenen Wegen abgerufen und konsumiert wird – allein die Nutzung über das Internet: Desktop, Tablet oder Smartphone oder Smart TV? Dafür hat sich im Bereich Marketing und Media der Begriff “Fourscreen” etabliert. Fourscreen bedeutet also, dass z.B. für das TV produzierte Inhalte über mehrere Wege abrufbar sind, ob nun live oder als Video-on-Demand. Fernsehen wird also mobil – aber es bleibt Fernsehen, nur auf einem anderen Endgerät.

Etwas anderes ist mit dem Begriff “Second Screen” gemeint. Second Screen bedeutet, dass parallel zum TV-Konsum andere Inhalte auf einem anderen Bildschirm (PC, Tablet oder Smartphone) genutzt werden.

Second Screen: Die Demokratisierung des Massenmediums TV?

 

Bekanntes und phänomenales Beispiel in Deutschland: Der Sonntagabend-Tatort und Twitter. Eigentlich jede Woche gehört der Hashtag #tatort zu den meisterwähnten in Deutschland.

Es ist wichtig, zwischen diesen beiden Begriffen klar zu unterscheiden:

Fourscreen bedeutet, Content über verschiedene Wege abrufbar = konsumierbar zu machen.

Second Screen bedeutet, dass der Content, der über einen Weg konsumiert wird, auf einem anderen Weg zur Grundlage für Kommunikation wird. Second Screen ergänzt das Massenmedium TV durch eine interaktive Komponente: Kommunikation ÜBER das Fernsehevent.

Dadurch hat sich bei der Art und Weise, wie wir das Medium Fernsehen nutzen, eine entscheidende Veränderung ergeben: Dem Fernsehbildschirm wird nicht mehr die alleinige Aufmerksamkeit gewidmet.

Lange Zeit war das Fernsehen (neben dem Kino) ein Medium, das viel Aufmerksamkeit verlangte. Medientheoretiker behaupten sogar, es habe das Konzept von Familie oder zumindest das Zusammenleben der Familie verändert. Auf jeden Fall jedoch die Freizeitgestaltung. So ist das Fernsehgerät laut Technikkritiker Günter Anders zu einem ‘negativen Familientisch’ geworden – hier versammelt sich die Familie, aber es findet keine Kommunikation untereinander statt. Die Familienmitglieder sitzen nebeneinander und konsumieren, jeder für sich, das Massenmedium Fernsehen. Nebeneinander statt miteinander. Der Fernseher ist dabei nicht der gemeinsamen Mittelpunkt – wie ein Esstisch -, sondern nur noch ein individueller Fluchtpunkt. Der Begriff, den Anders dafür prägt, ist der ‘Masseneremit’.

Eine Frage des Leitmediums

 

Fernsehen hat also anscheinend sehr viel unserer Aufmerksamkeit beansprucht. Klingt logisch, spricht das Fernsehen doch gleich mehrere unserer Sinne an – was da an visueller und akustischer Information auf uns zukommt, muss ja auch verarbeitet werden. Aber das ist nicht der Knackpunkt. Wenn man sich die Geschichte der Medien anschaut, dann erfährt man, dass das Radio einmal eine ähnliche Funktion hatte wie zuletzt das Fernsehen.

Im Radio gab es Nachrichten, Unterhaltungssendungen, Live-Übertragungen von Sport- und anderen Veranstaltungen. All das, wofür wir heute standardmäßig den Fernseher einschalten würden. Oder das Internet bemühen.

In der Anfangszeit des Hörfunks in Deutschland, in den 1920er und 1930er Jahren, waren Empfangsgeräte noch vergleichsweise teuer und entsprechend selten. Damals gab ging man, um die gewünschte Sendung zu hören, in die nächste Eckkneipe, die einen Radioempfänger hatte. Dort war man in Gesellschaft, und der Radioempfänger nahm eine ähnliche Position ein, wie der Fernseher momentan. Das Radio war damals Leitmedium. Heute ist es das Fernsehen. Es hatte zuletzt, Ende des 20. Jahrhunderts, quasi unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit.

Und dann kam das Internet…

 

Das beginnt sich gerade zu ändern. Fernsehen ist in vielen Fällen mehr Anlass und Thema für Social-Media-Nutzer – der eigentliche TV-Konsum läuft nebenbei.

Aber gleichzeitig fernsehen und über das gesehene diskutieren – geht das eigentlich? Ist Multitasking nicht ein Mythos?

Darum, und wie der Second Screen tatsächlich genutzt wird oder genutzt werden kann, wird es in einem zweiten Post zu diesem Thema gehen.

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